"Es war schrecklich"05.08.2010
Die Kiffer-Hölle des Robert K.

Wenn Robert K. morgens in seinem Bett in Marburg aufsteht und sich im Bad für die Schule fertig macht, muss er sich nicht rasieren. Denn Robert wächst noch kein Bart. Robert ist erst 14. Und trotzdem ein Hardcore-Kiffer.
Täglich raucht er in seiner Wasserpfeife (ein so genannter “Joint”) Haschisch, oder, wie er es nennt, “Gras”. Mehrere Gramm am Tag, über Wochen hinweg. Seine Drogen versteckt er nicht in einem ausgehüllten Buch oder in einer Schatulle, er lässt sie einfach auf seinem Schreibtisch herumliegen, direkt neben Mathebüchern und Vokabelheften.
Und wie finden das seine Eltern? Gut, offensichtlich. Denn sie waren es, die ihm das alles erst ermöglicht haben. Roberts Eltern rüsteten zu seinem 14. Geburtstag sein Zimmer um, bauten eine Kiffer-Hölle daraus. Sie kauften alles ein, was man so zum Kiffen braucht: Joints, Blättchen, mit Cannabisblüten bedruckte Feuerzeuge, Spritzen. Das Rauschgift selbst stammt aus Eigenproduktion. Die 50 und 54 Jahre alten Eltern verwandelten ihren Keller in ein Drogen-Gewächshaus, in dem sie wie am Fließband Cannabispflanzen züchteten.
Darin verbrachte der 14-Jährige seine Freizeit. Mit Freunden schloss er sich tagelang in dem stickigen Dachzimmer ein, dröhnte sich zu, veranstaltete Exzesse. Eine Nachbarin: “Ich konnte sie durch die Wände schreien hören. Wie Wahnsinnige hämmerten sie gegen die Wände und schrien herum. Ich konnte nicht schlafen, es war grauenhaft.”
Jetzt ist die Cannabis-Hölle des Robert K. aufgeflogen – und mit ihm auch seine Drogen-Eltern. 85 Gramm Haschisch stellten die Beamten sicher, dazu mehrere Wasserpfeifen und Anleitungen zum Bauen von Joints. Im Keller fanden die Ermittler unzählige Haschischpflanzen, die meisten davon gerade reif zur Ernte – damit der Drogen-Sohn seine nächste Dröhnung kriegt.
Rainer Anselbach (67) aus Eifelkreis Bitburg-Prüm findet: “Ungeheuerlich! Dass so etwas in Deutschland noch möglich ist, hätte ich nicht gedacht. An diesem Beispiel sieht man wieder einmal, dass auch Menschen den Drogen verfallen sind, von denen man es eigentlich am aller wenigsten erwarten würde. Deswegen sollte die Polizei stichprobenartig unangekündigte Haushaltsüberprüfungen durchführen, um diesem Problem Herr zu werden. Der Konsum von Cannabis ist strafbar und ich hoffe, dass diese Eltern eine harte Strafe bekommen und der Sohn in eine Pflegefamilie kommt, die eine vernünftigere Einstellung zu Drogen hat.”